Blue Flower

Chronik des Gesangvereins

 

Im Jahre 1897 fanden sich in dem Wohnhaus des Jacob Hoffmann in der Düngenheimer Str. 48, sangeslustige Männer zusammen.

Ihr Ziel war, einen Gesangverein zu gründen.

Nach langen Diskussionen einigte man sich auf den Namen

                                     „Liederkranz „ Kehrig.

Zu den Gründern gehörten:

Jacob Hoffmann, Josef Schäfer, Josef Martini II, Peter Röser, Gangolf Weiler,

Matthias Steffes, Anton Emmerich, Anton Martini II, Jacob Schäfer, Josef Martini I,

Franz Kreuter, Johann Kannengießer, August Panthöfer, Peter Hoffmann I, Anton

Martini I, Anton Schäfer u. Andreas Schäfer.

Der erste Vorsitzende des neuen Vereins war Franz Kreuter.

Zum Dirigenten ernannte der Vorstand Peter Röser.

Nach kurzer Zeit war der Chor in der Lage einen humoristischen Abend mit Lied-

vorträgen zu gestalten. Diese Veranstaltung fand bei den Gästen reichen Beifall.

Weitere sangesbegeisterte Männer fanden den Weg in den Chor.

Im Laufe der nächsten Monate wurde der Gesangverein über die Ortsgrenzen bekannt. Die ersten Einladungen von anderen Vereinen fanden bei den Sänger

Zustimmung.

Im Jahre 1901 beschloß der Vorstand, ein Sängerfest in Kehrig durchzuführen.

Durch das gelungene Fest wuchs der Bekanntheitsgrad des Vereins.

Im selben Jahr wurde noch eine Abendunterhaltung mit Familienangehörigen und

eine Weihnachtsfeier veranstaltet.

Bis 1907 wuchs der Verein auf die stattliche Mitgliederzahl von 76 Männern an, wovon fast die Hälfte aktive Sänger waren.

Beim Gesangfest im Juli 1907 konnte der Kassierer RM 180,10 einnehmen. Davon mußten jedoch RM 73,50 an die Musik und eine Abgabe von RM 33,50 an den Bürgermeister gezahlt werden.

Bei der Einführung von Pastor Fondel im Jahre 1908 beteiligte sich der Gesangverein an den Festlichkeiten. Herr Fondel wurde bei der nächsten Generalversammlung zum Ehrenpräsidenten ernannt.

Im Januar 1910 nahm der Chor zum ersten Mal an einem Gesangswettstreit in Mayen teil. Ein hervorragender 2. Preis wurde mit nach Hause genommen.

In einem Beschluß vom 5.11.1911 wurde folgendes festgelegt:

>Ein Sänger, der über 50 Jahre alt ist, ist nicht verpflichtet, wenn es nicht guten Willens geschieht.<

Im Dezember 1914 wählte die Versammlung wurde Jakob Schmitz für die Zeitdauer des Krieges als Kassenführer. Anton Emmerich wurde für diese Zeit als Vorsitzender ernannt.

Die Geschäftsbücher wurden mit der Versammlung von 4.5.1919 weitergeführt. Bernhard Kreuter war Präsident, der alte Vorstand blieb bestehen bis alle aus der Gefangenschaft zurück waren. Das Vereinsleben lief schleppend an. Es konnte jedoch zum 1.1.1920 ein Neujahrsball organisiert werden.

Peter Röser, der weiterhin den Chor leitete, erhielt für jede Gesangstunde 8 Mark Honorar.

Der Mitgliedsbeitrag wurde Anfang der 20er Jahre auf 1 Mark festgelegt. Zusätzlich wurde eine Aufnahmegebühr von 6 Mark verlangt.

2.

Der Gesangverein war bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges sehr aktiv. Der Besuch von befreundeten Vereinen, Teilnahme an Sängerwettstreiten, Familienabende, Weihnachtsfeiern, Theateraufführungen und Fastnachtsveranstaltungen standen in den jährlichen Kalendern.

Ab 1940 ruhte das Vereinsleben. In den Aufzeichnungen werden nur die gefallenen Mitglieder des Vereins aufgeführt.

Am 16.2.1947 ließen die noch lebenden Vorstandsmitglieder von 1939 den Verein wieder aufleben.

Dies waren: Andreas Hoffmann, Nikolaus Simonis und Martin Pörsch.

Sie mußten die Forderungen und Auflagen der französichen Militärregierung erfüllen,

was viel Arbeit und Verhandlungsgeschick erforderte.

Die 1. Gesangstunde nach dem Krieg wurde am 19.11.1948 unter der Leitung von Hauptlehrer Dünchem abgehalten. 136 Mitglieder waren wieder in den Büchern registriert.

Zu dem ersten Liederabend mit Theatereinlagen, nach der Neuanmeldung, am 6. Jan. 1949, konnte der Vorsitzende Martin Pörsch viele Gäste im Saale Heinrich Kreuter begrüßen.

Am 17.02.1952 kam es zum Dirigentenwechsel. Die Sänger entschieden sich einstimmig für Jakob Röser.

Das 55. Stiftungsfest wurde am 27.7.1952 wieder im großen Rahmen gefeiert.

Samstags zog der Gesangverein in einem Festzug mit den örtlichen Vereinen durch Kehrig. Auf dem Sonntagsprogramm standen die Gefallenenehrung, Abholen der Brudervereine und ein gemeinsamer Festzug mit anschließendem Freundschaftssingen auf dem Festplatz Im Pesch. Die Jubiläumsfeier endete mit Tanz in den zwei Kehriger Sälen.

Auf der Jahreshauptversammlung 1952 wurde Franz Michels zum 1. Vorsitzenden gewählt. Heinrich Fuhrmann als Schriftführer und Alois Kaul als Kassierer kamen ebenfalls neu in die Führung des Vereins. Die Ehre der Fahnenjunker erhielten:

Hermann Geisen, Martin Keiffenheim und Erich Simonis.

Wegen starker Meinungsverschiedenheiten zwischen dem alten Vorstand und den im August neugewählten Vorstandsmitgliedern, mußte am 29.11.1952 eine außerordentliche Versammlung einberufen werden. Die Neuen hatten einen bestehenden Beschluß, die Aufnahmegebühr für neue Mitglieder betrug DM 5,00,

auf DM 2,00 abgeändert. Boykottdrohungen der Gesangstunden wurden von den ehemaligen Vorstandsmitgliedern ausgesprochen. Die Versammlung konnte jedoch

einen Kompromiss erzielen, der da hieß: In Zweifelsfällen entscheidet der amtierende

Vorstand.

Erstmals wurde nach dem Krieg im Jahre 1953 ein Waldfest in der Nähe der Grube Bausberg veranstaltet. Im Wald wurde ein Tanzboden gebaut. Die angrenzenden Wiesen dienten der Kinderbelustigung. Noch viele Jahre sollte diese Veranstaltung im Kehriger Vereinskalender seinen Platz haben.

Auf Anregung der Gesangvereine im Amt Mayen-Land, wurde das 1. Amtssängerfest

im Monreal ausgetragen. Die Kehriger Sänger gestalteten mit 8 weiteren Chören das Fest.

3.

Aus den Aufzeichungen ist zu entnehmen, dass trotz regem Vereinsleben die Sängerzahl wieder rückläufig war. Im Jahre 1955 trat deshalb nicht nur der gesamte Vorstand zurück, sondern auch der Dirigent Jakob Röser legte sein Amt nieder.

Bis der Verein einen neuen Dirigenten verpflichten konnte, teilten sich Jakob Röser und der Lehrer Wagener die Leitung.

Am 13.10.1956 legte Jakob Röser entgültig den Dirigentenstab nieder und der Vorstand verpflichtete Johannes Bläser aus Ettringen.

        

Ausrichter des 3. Amtssängertreffens war der MGV „Liederkranz“. Die gut organisierte Veranstaltung fand auf dem festlich geschmückten Schulhof statt und der Verein konnte das Fest als vollen Erfolg verbuchen.

Nur ein Jahr konnte Johannes Bläser den Chor leiten, da mußte er aus gesundheitlichen Gründen das Amt niederlegen. Die Neuverpflichtung Hans Daub aus Thür konnte bei dem Chor keinen Fuß fassen und verließ den Verein nach nur wenigen Proben. Auf Vorschlag von Johannes Bläser trat Rudi Hilger, ebenfalls aus Ettringen, Anfang 1957 als Chorleiter an. Diese Verbindung sollte Jahrzehnte halten.

Im Jahre 1963 übernahm Hans Görgen die Leitung des Vereins als Nachfolger von

Johann Michels. Hans Görgen führte den Verein bis 1992. Er schied aus Altersgründen aus dem Vorstand aus und übergab den Vorsitz an Rudi Stenz.

Während der Ära Görgen und der Chorleitung von Rudi Hilger entwickelte sich der Gesangverein zu einer starken Gemeinschaft. Durch schwindende Sängerzahlen

wurde 1970 der Männergesangverein in einen „gemischten“ Chor umgewandelt.

Diese Entscheidung brachte dem Chor wieder 35 Sängerinnen und Sänger.

Auch die Nachwuchsarbeit in Form eines Kinderchores wurde gefördert.

Der noch heute aktive Kinderchor, unter der Leitung von Hermann Martini, wurde

im Jahre 1981 ins Leben gerufen.

Von 1982 bis 1997 wurden unter der Federführung des Gesangvereins Kinderkarneval gefeiert. Auch bei örtlichen Festen sowie bei vielen kirchlichen Feiern ist der Kinderchor nicht mehr wegzudenken.

1980 wurde das erste Sommerfest auf dem Schulhof veranstaltet, welches sich bis ins Jahr 2000 noch der Beliebtheit der Kehriger erfreut. Auch karnevalistische Veranstaltungen wurden ab 1981 über Jahre mit großem Erfolg durchgeführt.

Über die Grenzen Kehrigs hinaus war der Gesangverein ein gern gesehener Gast und vertrat den Heimatort immer gebührend.

1993 wurde Fred Martini, bisher 2. Vorsitzender, als 1. Vorsitzender gewählt.

Das Vereinsleben ist weiter von vielen Auftritten geprägt. Jedoch der Chor hat

Sorgen mit der Sängerzahl. Leider hat in den letzten Jahren nur ein aktiver zum

Chor gefunden. Nach dem Rudi Hilger nach 40 Jahren Chorleiter-Tätigkeit Anfang

1997 aus gesundheitlichen Gründen aufgeben mußte, entschied sich der Vorstand für den 21-jährigen Jens Konieczny aus Dieblich.

Mit seiner Verpflichtung hofft der Verein ein Zeichen für junge, sangesbegeisterte Menschen gesetzt zu haben, die in naher Zukunft, das wäre der Wunsch, zu dem

Verein finden.

Überraschend legte der 1 Vorsitzende Fred Martini am 5.8.1999 sein Amt nieder.

Klaus Fuhrmann, in der Funktion des 2. Vorsitzenden, übernahm kommissarisch die Vereinsführung bis zur nächsten Jahreshauptversammlung.

Bei der Versammlung im Jahre 2000 wurde Klaus Fuhrmann einstimmig als 1. Vorsitzender gewählt. Ihm flatterte im ersten Amtsjahr die Kündigung des Dirigenten Jens Konieczny in Haus. Gezwungenermaßen suchte der Vorstand einen neuen Chorleiter.

Mit Thomas Braun konnte die Lücke der Chorleitung  Anfang 2001 schnell geschlossen werden.

Nach 21 Jahren gab der im Jahre 1981 von Hermann Martini gegründete Kinderchor, mangels interessierter Nachwuchssänger, im Jahre 2002 seine Chorsingen auf. Schade, es war immer etwas besonderes, wenn die Kinder ihr Stimmen erklingen ließen.

2007 feierte der Verein sein 110 jähriges Bestehen und hatte zum traditionellen Sommerfest viele befreundete Gesangvereine sowie zahlreiche Vereine der Heimatgemeinde eingeladen. Dieser Einladung wurde gerne nachgekommen und wir waren stolz auf das zahlreiche Erscheinen unserer Gäste. In diesem Jahr übernahm auch Hermann Martini den Vorsitz von Klaus Fuhrmann und führt den Verein bis heute.

Die Sängerinnen und Sänger des Vereins sind immer bereit, neue Wege zu gehen: so wurde Jahr 2012 das Adventssingen in der Vorweihnachtszeit in den Veranstaltungskalender aufgenommen. Vorweihnachtliche Klänge, der Nikolaus, Stockbrot für die Kleinen , eine Pferdekutsche und viele Besucher, die gerne wiederkommen. Eine gute Idee hatte Erfolg und wird fortgesetzt.

Die musikalische Entwicklung ging natürlich ebenfalls weiter. Das Liedgut wurde behutsam aktualisiert, um auch weiterhin attraktiv zu sein und weitere sangesfreudige Menschen zu werben

Die sangeslustigen Männer des Vereins hatten eine weitere gute Idee einen Shanty-Chor ins Leben zu rufen. Der Gedanke wurde bei den Adventssingen geboren. Dort trugen die Männer des Chores weihnachtliche Lieder von der Küste vor. Bei den Vereinsfreunden ich Eich gingen sie testweise an die Öffentlichtkeit. Das Eicher Publikum war begeistert von dem maritimen Gesang.

So fiel Anfang 2015 der Entschluss offiziell einen Shanty-Chor zu gründen. Dieses sehr erfolgreiche Ensemble ist in Kehrig und auch in weitem Umkreis nicht mehr wegzudenken. Optisch fallen sie mit ihren blauen Fischerhemden und roten Halstücher auch angenehm auf. Unser Dirigent Thomas Braun begleitet die Seemänner am Schifferklavier.

Folgerichtig erfolgte 2016 die Umbenennung des GV Liederkranz in zwei Chöre: der gemischte Chor SingPunktAcht sowie der Shanty Chor „Kehriger Leichtmatrosen“.

Immer wieder fanden und finden interessierte und sangeslustige Menschen den Weg in den Verein. Singen ist gut für die Seele und bereitet einfach große Freude.

2017 wird der Verein 120 Jahre alt. Daher haben sich die cleveren Sängerinnen und Sänger auch einiges einfallen lassen, um dieses tolle Jubiläum würdig zu begehen. Neben dem Sommerfest ist die Durchführung des Verbandsgemeindesängerfestes in Kehrig abgestimmt. Als Highlight wird der Shanty-Chor im September ein Konzert ind der Elztalhalle geben. Weitere Aktivitäten folgen. Alle freuen sich, in dieser tollen Truppe mit dabei zu sein.

Mehr als 30 aktive Sängerinnen und Sänger halten in diesem Tagen dem Verein die Treue und treffen sich jeden Mittwochabend im Bürgerhaus in Kehrig zur Probe. Neben ansprechendem Gesang ist immer wieder auch ein herzliches Lachen zu hören. Singen bereitet nicht nur große Freude, sondern macht auch viel Spaß.

Kehrig ohne Gesangverein, das wäre ein Stück weniger Leben in unserem schönen Ort.

03.2017

 

Auszug aus "Mayener Zeitung" Nr. 238, Freitag, 15.10.1897, 67. Jahrgang